Habari!

Herzlich willkommen auf meinem Blog :)

Ich werde hier in den nächsten Monaten alles aufschreiben und dokumentieren, was ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kenia so alles erleben werde. Am 14. August 2010 geht es los und ich werde hier auch schon vorher darüber berichten, was ich hier in Deutschland während meiner Organisation so erlebt habe.

Was ich dabei unterstreichen möchte ist, dass alles, was hier geschrieben wird auf meinen persönlichen Eindrücken beruht und nicht zu Verallgemeinern ist! Alle meine Wahrnehmungen sind subjektiv!!! :)

Ich hoffe diese Seite hilft euch dabei, mein Jahr etwas verfolgen zu können und ich werde mich bemühen sooft wie möglich zu berichten und Bilder hochzuladen.

Jana

Donnerstag, 16. September 2010

Mein neues Zuhause & die erste Woche in Kangalu

Es war Freitag, das Camp war zu Ende und wir haben uns auf den Weg zu unseren Gastfamilien gemacht. Meine Schuldirektorin Agnes hatte Lisa und mir am Abend zuvor sehr deutlich gemacht, dass wir doch bitte um Punkt sieben am Tor stehen sollen. Dass hieß dann für uns sehr sehr früh aufstehn und natürlich musste genau dann mein Wecker versagen und ich hab total verpennt! So was passiert mir eigentlich nie und der Zeitpunkt war mehr als unpassend.^^ Wie wir meisten Deutschen nun mal sind, waren wir pünktlich am Tor, aber wie es die Kenianer eben meistens sind, kamen sie eine halbe Stunde zu spät, haha. Dann der erste Schock, ein Auto mit 5 Sitzen und wir waren zu sechst mit ner MENGE Gepäck! Der Kofferraum ging durch ein Wunder tatsächlich zu und wir haben uns zu viert auf die Rückbank gequetscht. Aber so vernünftig waren sie dann noch, dass Agnes am Busbahnhof ausstieg und ein Matatu nach Kitui Town genommen hat. Also waren es nur noch Joshua, Lisas Schuldirektor und Ehemann von Agnes (!!! Erklärungen folgen später), unsere beiden Gastmütter, Lisa und Ich. Nach drei sehr turbelenten Stunden kamen wir dann endlich in Kitui Town an. Der kenianische Fahrstil ist echt gewöhnungsbedürftig!  Dort wurden Lisa und ich dann getrennt, sie fuhr mit Joshua zu ihrem neuen Zuhause nach Mutukia und ich mit Agnes und meiner Gastmutter nach Kangalu. Zu mir sind es zum Glück nur ca. 20 min, aber Lisa musste eine Stunde mit dem Auto fahren! Zu „Hause“ angekommen habe ich dann erst mal meine Gastfamilie kennengelernt. Ich lebe dort dauerhaft mit meiner Gastmutter Juliane, meiner Gastoma und meinem Gastneffen Sam, der gerade mal 3 Jahre alt ist, zusammen. Zu dem Zeitpunkt waren auch noch meine große Gastschwester Rachel da, die Mutter von Sam, die aber in Mombasa wohnt und meine kleine Gastschwester Mercy, die 17 Jahre alt ist und in ein Internat geht. Außerdem lebt bei uns Richard, der house boy, der für die Farm zuständig ist und auch kocht. Das Haus ist für die Verhältnisse auf dem Land eher gehoben, aber natürlich mit unseren nicht zu vergleichen. Die erste Woche musste ich mir ein winziges Zimmer mit meinen Gastschwestern teilen und es war noch nicht mal Platz, um meine Koffer auszupacken. Richard wohnt nicht mit im Haupthaus, er hat eine kleine Hütte auf dem Grundstück, wo auch das Wasser gelagert wird. Das Wasser wird hier vom Fluss mit dem Esel geholt, der ca. 20 Minuten Fußmarsch entfernt ist. Da es momentan noch sehr trocken ist, ist Wasser hier Mangelware. Die Küche ist auch in einer extra Hütte. Dort wird mit Holzkohle gekocht, das heißt über offenen Feuer. Auf der Farm sind ein paar Kühe, Ziegen, Hühner, Esel, Hunde und Katzen. In dem Haus gibt es ein relativ großes Wohnzimmer, 3 Schlafzimmer und ein „Bad“. Das „Bad“ ist ca. 1 m2 groß und es befindet sich ein Klo darin, wo aber die Spülung nicht funktioniert. Dort drin wäscht man sich auch, was sich als nicht so einfach herausstellte, da man noch nicht mal wirklich Platz hat, sich da drin umzudrehen. Für „kleine Geschäfte“ benutzt man das Klo drinnen, wo nur ein mal am Tag gespült wird (es gibt ja kein fließend Wasser) und für „große Geschäfte“ nimmt man das Plumpsklo in einer weiteren kleinen Hütte draußen. Zum Waschen nimmt man sich eine kleine Schüssel mit kaltem Wasser und ähm ja, versucht zu duschen. Als ich dann gefragt habe, wie ich denn meine Haare waschen könnte, waren alle etwas überfordert... Es gibt drei Arten hier in Kenia, wie man die Haare tragen kann. Die einfachste und auch sehr verbreitete Art für Frauen ist, sich einfach die Haare abzurasieren. Dies ist auch sehr häufig in Schulen vorgeschrieben, aufgrund der Hygiene. Dann gibt es noch die typischen geflochtenen Haare und die glatten Haare. Die glatten Haare sind aber immer Perücken und damit künstlich! Was der Haken an der Sache ist, die Haare werden beim Frisör gewaschen und damit eigentlich nicht sehr häufig, da es sehr teuer ist. Damit war die Antwort auf meine Frage „geh doch zum Frisör!“... ok, nicht so ganz, was ich erwartet hatte! Jetzt heißt das wohl ein Jahr lang im Garten über einer Schüssel Haare waschen und jeder starrt einen dabei komisch an.^^ Nach dem langen Tag wollte ich nur noch pennen und bin schlafen gegangen. Auch so ne Sache bei uns, die Wände reichen nicht bis unters Dach, damit hört man ALLES im Haus. Generell wird bei uns sehr viel Musik gehört und das auch gerne lange und laut, sodass man eigentlich vor elf nie seine Ruhe im Haus hat. Morgens läuft dann ab sechs die Musik eh wieder und Sam schreit dann das ganze Haus zusammen... er ist zwar echt süß, kann aber extrem nervig sein! Was auch ein großes Problem für mich am Anfang sein wird ist, dass meine Gastoma und Sam nur Kikamba, die Stammessprache, sprechen können. In Nairobi haben wir ja 2 Wochen lang Kiswahili gelernt, aber eigentlich sprechen hier alle auf Kikamba. Kiswahili versteht zwar jeder, es wird aber zwangsläufig nicht gesprochen. Damit muss ich noch eine Sprache lernen.  Das Essen war hier auch so ein Thema die ersten Tage, da ich eben deutsche Portionen esse und nicht kenianische, was ungefähr das dreifache bedeutet! Dass unser Schönheitsideal etwas anders aussieht, konnten sie nicht wirklich verstehen. Hier schlank zu sein, bedeutet, dass du dir nicht genug zu essen kaufen kannst und damit arm bist. Auch wird hier Armut so definiert, dass du als arm gilst, wenn du deiner Familie keine Malzeit servieren kannst. Was auch neu ist, ist dass es hier jeden Tag (365 Tage im Jahr) um 19 Uhr dunkel wird und man damit nichts mehr draußen machen kann. Da wir keinen Strom haben, kommen Gaslampen und Taschenlampen zum Einsatz. Meine Kopfleuchte war die beste Investition aller Zeiten! Hier in Kangalu leben ca. 300 Menschen, die alle iwie über iwelche Ecken miteinander verwandt sind und sich damit alle kennen. Am Samstag habe ich dann zum Glück wieder Lisa getroffen und wir waren das erste mal im Internetcafé in der Stadt. Joshua und Rachel haben uns begleitet und wir haben gleich ein paar kenianische Eigenheiten kennengelernt... Die zwei wollten uns auf einen Drink einladen und daraus wurde eine Sauftour für die zwei. Um fünf waren wir im ersten Pup und um 2 Uhr waren wir zu Hause, ein Drink also... Das Problem an der Sache war, dass wir überhaupt nicht gefragt wurden und auch nicht darüber informiert wurden, dass Lisa bei mir übernachten wird. Damit hatte Lisa noch nicht mal ne Zahnbürste dabei und wir haben uns in mein 90 cm Bett gequetscht.^^ Uns wurde ja schon im Camp erzählt, dass besonders auf dem Land viel getrunken wird, dass das ganze aber auf mindestens 10 Bier hinaufläuft, obwohl man Auto fahren muss, war uns nicht bewusst! Damit waren alle außer Lisa und mir stockbesoffen und haben uns Dinge erzählt, die ein zukünftiger Boss nicht unbedingt preisgeben sollte. Lisas stellvertretende Schuldirektorin Rose kam dann noch dazu und Joshua meinte nur, als sie kurz verschwunden war, dass sie soeben ihren Ehemann betrügt und das häufiger macht! Eigentlich wollten sie mit uns noch Fisch essen gehen, da es aber in diesem Pup keinen gab, sind wir in den nächsten gegangen. Obwohl es dort auch keinen gab, sind wir wieder auf ein paar Bier geblieben. Im dritten Pup hatten sie es dann aufgegeben und einfach was anderes bestellt. Das Huhn musste buchstäblich noch geschlachtet werden... gut, dass ich mich als Vegetarierin ausgegeben hatte!  Da Autofahren nun doch nicht mehr so einfach war, wurde Lisa gefragt, ob sie denn nicht fahren könnte... Dann der erste Sonntag in Kangalu und es stand Kirche auf dem Programm, oh mein Gott! Lisa war zum Glück dabei und die 5 Stunden Gottesdienst auf Kikamba waren geteiltes Leid. Am Ende sollte wir uns noch vor der ganzen Gemeinde vorstellen und Lisa hat einen Kürbis bekommen, ich einen Kohl, haha. Danach sind wir dann zu Lisa gefahren und ich habe ihre Gastfamilie kennengelernt. Da es einfach zu weit weg ist, habe ich bei ihr übernachtet und wir haben am nächsten Morgen ein Matatu (Bus) in die Stadt genommen, was sage und schreibe 2 Stunden gedauert hat! Damit brauchen Lisa und ich 3 Stunden um uns sehen zu können, na toll! Die erste Woche gab es in meiner Gastfamilie einige Startschwierigkeiten. Zum einen war die Sprache ein Hinderniss, denn der Akzent ist schon ziemlich krass, sodass ich manchmal die einfachsten Sachen nicht verstehen konnte und wir aneinander vorbeigeredet haben. Dann dass ich einfach keine Rückzugsmöglichkeiten hatte und aus meinen Koffern leben musste. Ich wollte mich das ganze Jahr über nicht wie ein Gast fühlen. Außerdem war ich es nicht gewohnt, dass ich mir nicht mein eigenes Wasser zum Duschen holen konnte und jedes mal Richard fragen musste. Damit war ich immer abhängig von allen und musste mir immer alles bringen lassen. Auch ist es hier auf dem Land nicht üblich, dass man regelmäßig in die Stadt geht, weil das einfach zu teuer ist. Damit traf ich dabei immer auf Unverständnis und meine Gastmutter hatte Angst, dass ich in der Stadt verloren gehen würde... Ich habe dann Judy, meine Kontaktperson vom ICYE angerufen und sie hat dann mit meiner Schuldirektorin telefoniert. Damit hatte sich dann zum Glück einiges verbessert, da sie dann mit Juliane gesprochen hat, auch auf Kikamba, damit sie auch alles versteht. Jetzt habe ich endlich mein eigenes Zimmer und etwas mehr Freiheit hier. Zur Kirche muss ich auch nicht gehen, yihaaa!  Den zweiten Freitag sollten Lisa und ich den selben Fehler mit dem Weggehen erneut machen und waren mit Joshua und Rachel mal wieder unterwegs... natürlich endete das ganze in einem Besäufnis! Der erste Club verlangte Eintritt und wir sollten für die andern beiden mitbezahlen. Dann sollten wir die erste Runde der Getränke übernehmen... gefragt wurden wir natürlich nicht! Eine goldene Regel in Kenia: alles wird geteilt und das man von anderen erwarten kann, dass sie für einen mitbezahlen, ist auch bekannt. Damit das nicht den ganzen Abend so weiterging, haben wir einfach gesagt, dass wir kein Geld mehr hätten. In dem Club hat eine Band aus Nairobi gespielt, die ziemlich cool war. Auf der Tanzfläche waren zu 95 % nur Männer und der Tanzstil ist doch sehr anders. Damit haben wir nicht getanzt, da wir die reinste Beute gewesen wären.^^ Auf einmal wollte Joshua woanders hin und wir sind in ne andere Bar gefahren. Dort sollten wir uns dann zu seinen Freunden setzen, die alle auch ziemlich betrunken waren und so um die 40 Jahre alt waren, also nicht ganz unsre Altersklasse... Diese Typen wurden nach ner Zeit ziemlich aufdringlich und sind uns auf die Pelle gerückt. Dann wollten die noch unsere Handynummern haben und uns auf sämtliche alkoholische Getränke einladen. Das wir keinen Alkohol wollten, war für die auch nicht wirklich verständlich. Wir haben dann darauf bestanden zu gehen und zwar nach Hause, der Abend war schon beschissen genug! Aber natürlich sind wir einfach zurück in den anderen Club zurück gefahren und die zwei haben weiter getrunken... Dann fing es auch noch an zu regnen und uns war eh schon sau kalt. Lisa und ich haben uns dann rein gesetzt und gewartet, bis die zwei ihr Bier fertig getrunken haben, eine Stunde später hat sich noch nichts getan. Dann meinte Rachel uns schon mal zum Auto zu bringen, da es dort wärmer wäre und hat uns im Auto eingeschlossen (musste hier sein, wegen der Kriminalität). Nach einer weiteren Stunde kamen sie immer noch nicht und wir mussten Telefonterror schieben. Dann kam iwann Joshua und wir konnten losfahren. Wir haben ihn gesagt, dass er sich daneben benommen hat und uns nicht so behandeln kann, wenn er verantwortlich für uns ist. Seine Antwort darauf war „ich bin doch aber betrunken...!“, hallo? Er wollte erst mal nicht fahren und das Problem aus der Welt schaffen, allerdings konnte er nicht mehr wirklich sprechen und die Diskussion war damit sinnlos. Er hat dann dauernd angehalten und wollte nicht weiterfahren. Als ich dann gedroht hatte Judy anzurufen, ist er völlig ausgerastet. Er meinte nur, wir sollten uns ein Taxi nehmen, wenn wir das tun würden! Nach einer Stunde waren wir dann endlich zu Hause und wir wollten einfach nur noch schlafen. Er ist die ganze Nacht noch da geblieben und hat meine Gastmutter zugetextet. Am Morgen hatte ich schon ein wenig Angst, wie sie reagieren würde, immerhin sind sie und Joshua verwandt und Familie geht hier über alles! Er hatte natürlich nur Lügen erzählt und Rachel die Schuld in die Schuhe geschoben. Zum Glück hat sie mir geglaubt und meinte, er wäre hier nicht mehr willkommen. Allerdings haben Lisa und ich dann doch noch Judy angerufen und sie ist dann noch am gleichen Tag zu uns nach Kitui gefahren. Ich habe mich dann am Abend mit ihr in der Stadt getroffen und mit ihr in einem Hotel übernachtet. Ich habe mit ihr über alles geredet und sie meinte leider nur, dass das mit dem Trinken auf dem Land nun mal so ist, vorallem bei Männern und dass man dagegen nicht wirklich was tun kann... das heißt dann wohl nur von ihm vernhalten und nicht mehr mit ihm weggehen. Generell ist es sehr einsam hier in Kangalu, denn ich kenne eigentlich keine Leute in meinem Alter, außer meine Schüler. Die wohnen aber fast alle nicht in Kangalu und als Schüler (egal wie alt man ist) darf man abends nicht weggehen. Dann sprechen auch nur wenige so viel Englisch, dass man sich ernsthaft mit ihnen unterhalten könnte. In die Stadt kann ich nur am Wochenende, daher ist es auch sehr schwer für mich, E-mails zu schreiben und zu beantworten. Ich habe maximal 2 Stunden im Cybershop, daher wundert euch nicht, wenn eine Antwort auf eure Mail mehrere Wochen dauert!  Ich habe auch eine neue Handynummer, die ihr anrufen könnt (unter der Woche nach eurer Zeit ab 17 Uhr und am Wochenende jeder Zeit). Mit einer Billigvorwahl kostet es vom Festnetz ca. 7 cent, ich zahle allerdings fast 30 cent pro Minute... Ich werde sie demnächst mal per Mail rumschicken. Am Dienstag war dann die erste Besprechung in der Schule und die Schule hat am Mittwoch begonnen. Darüber werde ich das nächste Mal schreiben.  Das war jetzt ziemlich viel, aber auslassen konnte und wollte ich nichts! Meine Adresse werde ich jetzt auch hier veröffentlichen und ich würde mich über Postkarten und Briefe sehr freuen.  Bis bald! Jana

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