Hier nur ein kleiner Beitrag zu einem sehr interessanten kulturellen Erlebnis in meiner Gastfamilie.
Wir ihr ja wisst, lebt meine Gastoma die meiste Zeit bei uns und geht nur alle paar Wochen zu ihrem eigenen Haus. Sie ist schon sehr alt, wie alt genau weiß hier so keiner. Mit dem Alter kommen viele Krankheiten und auch meine Susu (Oma) ist davon nicht befreit.
Nach den langen Aprilferien war sie nicht mehr bei uns, da sie oft krank wurde und sich ihre anderen Kinder bei ihr zu Hause um sie gekümmert haben. Susu war zwischendurch öfters im Krankenhaus, hat aber immer darauf gedrängt wieder entlassen zu werden.
Wie ich es von meiner eigenen Oma kenne, können alte Leute sehr stur sein und ihren Willen oft durchsetzen. So wurde auch Susu wieder nach Hause geschickt…
Letzten Freitag saß dann die alte Dame wieder bei uns im Wohnzimmer. Meine Gastmutter Juliane, Rachel meine große Gastschwester und zwei weitere Personen saßen im Raum, es herrschte totale Trauerstimmung. Ich habe mich natürlich total gefreut Susu wieder zu sehen und sie freudig mit den Kikamba-Worten „Watinda Ata!“ begrüßt. Sie total verwirrt und scheint mich nicht zu erkennen, aber das ist bei Alzheimer ja nicht ungewöhnlich.
Ich frage daraufhin, wie ihr es denn nun ginge und ob sich ihr Gesundheitszustand verbessert hätte. Die Antwort war leider negativ und es konnte mir auch keiner erklären, worunter sie denn leide. Mit einem „Pole sana!“ (es tut mir Leid) bin ich in mein Zimmer gegangen, da ich mitten in ein Gespräch reingeplatzt bin.
Kurze Zeit später wurde ich von meiner Gastmutter zu einem Gebet ins Wohnzimmer gerufen. Ein kleines Gebet tut keinem weh, dachte ich mir, und nahm Platz. Der Mann entpuppte sich als Pastor und über die Frau weiß ich bis heute nichts, also eine ernste Angelegenheit.
Natürlich wurde alles auf Kikamba besprochen, damit auch die Hauptperson Susu alles verstehen würde. Sie wirkte an diesem Abend noch viel älter und in sich gekehrt. Ich habe sie als fröhliche alte Dame kennengelernt…
Und dann ging’s los. Erst wurde nur gebetet und zwischen durch mal wieder etwas besprochen. Irgendwann sollten wir alle aufstehen und ein Singsang wurde eingeleitet. Er fing leise an und wurde mit der Zeit immer lauter und intensiver. Alle Personen im Raum waren so in sich gekehrt und haben voller Emotionen gesungen. Gut, dann dauert das wohl noch etwas länger, dachte ich mir. Ich hatte für den Abend nichts geplant und wenn ich so meine Familie zufrieden stellen kann, bete ich halt mal mit.
Irgendwann ging der Pastor aus Susu zu und hielt ihr den Mund offen, hääää? Muss ich das verstehen? Ich habe mit christlichen Ritualen nichts am Hut und kenne mich damit gar nicht aus. Susu fand diese Position anscheinend sehr unbequem und fing an vor Schmerzen zu stöhnen. Der Pastor hatte sich mittlerweile nur auf Susu konzentriert und Phrasen auf Kikamba geschrien, während die fremde Frau gesungen hat. Dann vielen plötzlich zwischen den vielen fremden Wörtern auf einmal die Begriffe „Dämon“, „Teufel“ und „… komm raus!“. Huch, wo bin ich denn hier gelandet??? Habe ich diese Worte richtig verstanden, wird hier tatsächlich eine Teufelsaustreibung durchgeführt??? Mit der Zeit wurde Susu immer nervöser, hat geweint, geschrien und musste festgehalten werden, damit sie nicht vom Sessel fällt. Der kleine Sam war auch anwesend und natürlich ganz verwirrt, was denn da mit seiner Urgroßmutter passiert und fing auch noch an zu weinen.
Im ersten Moment war ich einfach nur schockiert und starr vor Schreck. Ich fand diese Zeremonie sehr beängstigend und hatte immer mehr das Gefühl, sie würden Susu noch selber umbringen. Mir stiegen langsam Tränen in die Augen, da ich mit dieser Situation völlig überfordert war. Als ich die Tränen gar nicht mehr zurück halten konnte, bin ich nur noch in mein Zimmer geflüchtet. Die Zeremonie ging noch ein oder zwei Stunden, aber ich habe mich nicht mehr ins Wohnzimmer getraut. Wie hätte ich meiner Familie meinen Tränenausbruch erklären sollen?
Am nächsten Morgen schien alles wie beim Alten und es war auch kein Problem, dass am Abend Marit aus Isiolo, eine deutsche Freiwillige, zu Besuch kommen würde. Der Abend verlief normal und ich war erleichtert, dass das Thema nicht angesprochen wurde, aber trotzdem erledigt schien.
Da hatte ich mich aber leider sehr getäuscht! Am Sonntagabend ging die Teufelsaustreibung in die zweite Runde. Diesmal wurde das Ganze im Schlafzimmer abgehalten, damit konnte ich mich frei im Haus bewegen. Richard, unser Hausangestellter, hat mir in der Küche dann flüchtig zugeflüstert, dass ich mich keine Gedanken machen sollte, da sie nur beten würden. Aha, so nennen sie es also… Andere Länder, andere Sitten! Die Kamba-Leute sind in Kenia für ihre magischen Kräfte bekannt und dazu passt dieser Abend sehr gut. Die Rituale haben sich über die ganze Nacht hinweg gezogen und ich konnte trotz Oropax nicht schlafen.
Das Ende der Geschichte ist, dass Susu diese Woche wieder im Krankenhaus war. Ein zu hoher Blutdruck und zu geringer Sauerstoffanteil wurden festgestellt. Ich denke auch jetzt noch, dass sie einfach nur an Altersschwäche leidet und solche Krankheiten für das Alter typisch sind. Wenn es meiner Gastfamilie hilft sich besser mit diesem Thema auseinander zu setzen, sollen sie diese Praktiken weiterführen, solange ich in meinem Zimmer bleiben darf!
Habari!
Herzlich willkommen auf meinem Blog :)
Ich werde hier in den nächsten Monaten alles aufschreiben und dokumentieren, was ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kenia so alles erleben werde. Am 14. August 2010 geht es los und ich werde hier auch schon vorher darüber berichten, was ich hier in Deutschland während meiner Organisation so erlebt habe.
Was ich dabei unterstreichen möchte ist, dass alles, was hier geschrieben wird auf meinen persönlichen Eindrücken beruht und nicht zu Verallgemeinern ist! Alle meine Wahrnehmungen sind subjektiv!!! :)
Ich hoffe diese Seite hilft euch dabei, mein Jahr etwas verfolgen zu können und ich werde mich bemühen sooft wie möglich zu berichten und Bilder hochzuladen.
Jana
Herzlich willkommen auf meinem Blog :)
Ich werde hier in den nächsten Monaten alles aufschreiben und dokumentieren, was ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kenia so alles erleben werde. Am 14. August 2010 geht es los und ich werde hier auch schon vorher darüber berichten, was ich hier in Deutschland während meiner Organisation so erlebt habe.
Was ich dabei unterstreichen möchte ist, dass alles, was hier geschrieben wird auf meinen persönlichen Eindrücken beruht und nicht zu Verallgemeinern ist! Alle meine Wahrnehmungen sind subjektiv!!! :)
Ich hoffe diese Seite hilft euch dabei, mein Jahr etwas verfolgen zu können und ich werde mich bemühen sooft wie möglich zu berichten und Bilder hochzuladen.
Jana
Freitag, 10. Juni 2011
Abonnieren
Posts (Atom)