Habari!

Herzlich willkommen auf meinem Blog :)

Ich werde hier in den nächsten Monaten alles aufschreiben und dokumentieren, was ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kenia so alles erleben werde. Am 14. August 2010 geht es los und ich werde hier auch schon vorher darüber berichten, was ich hier in Deutschland während meiner Organisation so erlebt habe.

Was ich dabei unterstreichen möchte ist, dass alles, was hier geschrieben wird auf meinen persönlichen Eindrücken beruht und nicht zu Verallgemeinern ist! Alle meine Wahrnehmungen sind subjektiv!!! :)

Ich hoffe diese Seite hilft euch dabei, mein Jahr etwas verfolgen zu können und ich werde mich bemühen sooft wie möglich zu berichten und Bilder hochzuladen.

Jana

Samstag, 25. September 2010

Mein neuer Alltag & das erste Wiedersehen (fast) aller Freiwilligen in Nairobi

Ich habe mal wieder etwas zu viel freie Zeit in der Schule und bin am Computer, wo ich laut deutsche Musik hören kann.  Langsam gewöhne ich mich an meinen Alltag, aber ganz zufrieden stellt er mich noch nicht... So wirklich viel zu tun habe ich nicht und ich weiß auch nicht so recht, wie ich das ändern kann. Mittlerweile wünsche ich mir, ich hätte mehr Stunden auf meinem Stundenplan stehen, damit ich nicht so viel rumsitzen müsste. Meinen Unterricht habe ich schon immer für mehrer Stunden im Voraus geplant und da das in den 3 Deutschklassen der identische Plan ist, macht das nicht so viel Arbeit aus. Ich konnte mit meiner Schuldirektorin abklären, dass ich mittwochs und donnerstags später zur Schule kommen kann, da meine erste Stunde jeweils nicht vor 11 Uhr ist. An den Vormittagen kann ich dann (versuchen) auszuschlafen, meine Wäsche waschen und Geschirr abwaschen. In der Schule sind einige Sachen passiert, mit denen ich nicht wirklich einverstanden bin, woran ich aber auch nichts ändern kann. Zum einem werden hier die Schüler geschlagen. Sie müssen sich den Stock selber aus dem Lehrerzimmer holen, die Handflächen ausbreiten und dann schlägt der Lehrer einige Male fest zu. Sie werden wegen, meiner Ansicht nach, lächerlichen Dingen bestraft und diese Art von Bestrafungen machen auch nicht wirklich Sinn. Wenn sie zu spät kommen oder zu laut sind und dem Unterricht verwiesen werden, müssen sie sich mit ihren nackten Knien vor dem Lehrerzimmer für eine Stunde auf den Boden knien und dort in der prallen Sonne verweilen. Eine andere Bestrafung ist für die Jungs Holzhacken und für die Mädels Holz von A nach B zu tragen. Wenn sie „schlimmere“ Dinge anstellen, werden sie geschlagen... Dadurch, dass die Schule sehr klein und übersichtlich ist, entgeht den Lehrern nichts. Wenn sie schwänzen, werden sie am nächsten Tag bestraft. Heute gab es mal wieder eine Versammlung und es wurde der prozentuale Anteil der bestraften Schüler pro Klasse/ Jahrgang laut verlesen, krank oder? Danach haben alle Süßigkeiten bekommen, sogar die schlechteste Klasse. Wenigstens etwas! Danach wurden die Schüler mit kleinen Geschenken (ein Heft) belohnt, die am besten in ihrem Jahrgang abgeschlossen haben. Das Notensystem teilt sich in 12 Punkte ein und werden in den Buchstaben von A (12 Punkte) bis E (0 Punkte) ausgedrückt. Die erste Klasse hatte wenigstens noch ein „A“ als beste Note. Die zweite Klasse hatte nur noch ein B, die dritte ein C+ und die vierte ein C-! Bestehen tun die Schüler mit einem gewissen Durchschnitt aller Noten. Klasse 1 mit C, Klasse 2 mit C- und die Klassen 3 und 4 mit D+. Ich will nicht wissen, wie viele am Ende des Jahres ihren Abschluss nicht bekommen werden, wenn die beste Note ein C- war! Mein Deutschunterricht ist immer noch sehr ernüchternd und ich muss mit allen drei Klassen in zwei Wochen bereits Examen schreiben. Was ich sie abfragen soll, weiß ich noch nicht genau. Viel habe ich noch nicht mit ihnen durchnehmen können, bei drei Schulstunden die Woche. Ich muss sehr viel wiederholen und immer wieder mit ihnen durchsprechen. Da sie oft meine englischen Anweisungen oder Übersetzungen nicht verstehen, gestaltet sich der Unterricht dadurch noch schwieriger. Mein Englischunterricht in der ersten Klasse stellt mich mehr zufrieden, da ich dort Fortschritte und mehr Verständnis in ihren Gesichtern sehen kann. Dort sagen sie mir komischer Weise auch offener, wenn sie was nicht verstehen. Während unseres Camps in Nairobi wurden wir schon darauf hingewiesen, dass Schüler eher selten dem Lehrer widersprechen und ihn darauf aufmerksam machen, dass sie etwas nicht verstanden haben. Daran muss ich dringend mit ihnen arbeiten, dass sie wenigsten mir gegenüber so offen sind und einfach sagen, wenn ich etwas noch mal wiederholen soll. Im Allgemeinen kann und will ich es auch nicht ändern, wenn es hier normaler Weise so gehandhabt wird. Wir Freiwillige sind hier als „Hilfskräfte“ und nicht, um deren Grundsätze in Frage zu stellen und zu verändern. An den Bestrafungen kann ich leider auch nichts ändern, dass muss ich akzeptieren. Wenigstens fragen mich meine Arbeitskollegen nicht, ob ich die Schüler auf deren Art und Weise bestrafen kann, weil ich das auf jeden Fall verweigern würde! Vielleicht hören sie mir aufmerksam zu, wenn ich von meiner Schulzeit erzähle und wie mein Unterricht ausgesehen hat. Zum Beispiel war ein Arbeitskollege total überrascht, dass meine Lehrer sich an der selben Essensausgabe in der Mensa wie wir Schüler anstellen müssen und auch mit in der Mensa essen. Als er mich dann gefragt hat, warum dass so an meiner Schule ist, habe ich ihm gesagt, „die Lehrer sind doch auch nur Menschen“, da war er erstmal sprachlos!  Auch haben sie mich total verwirrt angeschaut, als ich mit einem Stapel Hefte in das Lehrerzimmer zurück kam. Sie fragten mich daraufhin, warum mir nicht ein Schüler die Hefte hier her trägt... Wenn den Lehrern ein Löffel beim Mittagessen fehlt, wird nach einem Schüler gerufen, der in die Küche geht und einen holt. Hallo?!? Die Küche ist keine 3m entfernt und man kann auch selber aufstehn. Das selbe passiert, wenn ein Stuhl fehlt oder der Tee leer ist. Ich muss echt aufpassen, dass ich hier nicht mega faul werde, haha. Naja, andere Länder, andere Sitten! Ich kann froh sein, später an einer deutschen Schule unterrichten zu können! Das einzige, was mich wirklich anfängt zu nerven ist, wie sehr ich hier noch als Weiße angesehen werde. Jeden Tag nach der Schule laufen mir 20 bis 30 kleine Grundschulkinder hinterher (die mich alle durch die Kirche kennen und wissen, dass ich hier für ein Jahr unterrichten werde!) und sind die ganze Zeit am lachen. Ich werde hier von jedem, egal ob Kind oder Erwachsener, gefragt „ Wie geht’s dir?“, „Wie heißt du?“, „Woher kommst du?“... Nach 4 Wochen sollten sie langsam mal wissen, wer ich bin und mich nicht jedesmal wie ein Ailien anstarren. In der Stadt ist es noch schlimmer, man fühlt sich wie ein Promi, echt nervig! Im Supermarkt schauen an der Kasse richtig viele Leute auf meinen Einkaufskorb und darauf, mit welchem Geldschein ich bezahle. Man hat das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen und dass man auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Der Busbahnhof ist dann die Krönung, wenn einen sehr viele Menschen zu den unterschiedlichsten Matatus ziehen und immer wieder fragen, ob ich nicht nach Nairobi fahren will. Ich hoffe sehr, dass sich der ganze Trubel legen wird und wir etwas weniger beachtet werden, denn nach der zwanzigsten Wiederholung der selben Frage fällt es einem irgendwann schwer, noch freundlich zu bleiben... Das letzte Wochenende war dann zum Glück das erste Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen. Lisa und ich wollten sehr früh in Kitui losfahren, aber wie nicht anders zu erwarten war, wurde uns ein Strich durch die Rechnung gemacht!  Ihr ursprünglicher Bus kam nicht, der zweite war zu voll („zu voll“ gibt es in Kenia eigentlich nicht!) und der dritte kam dann endlich um 9 Uhr. Gegen Mittag waren wir dann endlich in Nairobi und haben uns erstmal einen fetten Burger mit Pommes in einem gehobenen Restaurant gegönnt. Das erste Mal richtiges Fleisch nach 5 Wochen, haha! Danach haben wir unsere ersten Einkäufe erledigt und haben uns gegen frühen Abend mit drei Freiwilligen, die in Nairobi wohnen, getroffen. Lisa und ich konnten bei Ronny in Ngong, einen Vorort von Nairobi, übernachten. Er wohnt vom Standart her nicht besser, ich würde sogar sagen eher schlechter, als wir und das, obwohl er in der Stadt wohnt! Sein Zimmer ist eine kleine Holzhütte mit Wellblechdach, aber er hat Strom!  Am nächsten Morgen sind Lisa und ich erstmal mit zu seinem Projekt gegangen. Uns hat seine Schule förmlich umgehauen... eine Bücherei, was für ein Luxus!!! Wir haben noch nicht mal genügend Bücher für eine Klasse. Danach sind wir tatsächlich zum Frisör gegangen, um uns die Haare mit warmen Wasser waschen zu lassen, haha. Mit sauberen Haaren wie eh und je, haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht, um mal richtig einkaufen gehen zu können. Haha, Pustekuchen! Wir haben keinen einzigen Laden gefunden, der schöne Hosen und T-shirts für wenig Geld angeboten hat. Nach einigen Stunden haben wir einen riesigen Bazar gefunden, wo es eigentlich ganz schöne Sachen gab, aber leider völlig überteuert. Wir waren die einzigen Weißen weit und breit, daher wurden die Preise erstmal gewaltig angehoben. Am Ende haben wir beide je eine schöne Leinenhose für 2,5 Euro erstattet. Am Abend kamen dann die restlichen Freiwilligen aus Migori, Kericho, Kisii und Isiolo an. Wir haben alle bei Ronny übernachtet und Gerry hat für uns alle super leckere Spagettis gekocht.  Am Samstag waren dann einige morgens beim Arzt, um ihre letzten Impfungen zu bekommen. Das war auch der Hauptgrund, warum wir uns alle in Nairobi getroffen haben. Am Nachmittag stand dann ein Fussballturnier gegen eine Schulmannschaft an und unser team hat natürlich verloren. Abends waren wir dann bei Phil, einem Co-Worker vom ICYE. eingeladen und es wurde wieder zusammen gekocht. Diesmal gab es Bratkartoffel mit Rührei und Spinat, mega geil. Danach sind wir noch in einen Club gegangen, aber ich war so müde, dass ich schon früher nach Hause gefahren bin. Ein Co-Worker wollte mir ein Taxi rufen, da aber keins zu finden war, bin ich kurzer Hand mit der Polizei nach Hause gefahren. Die wollten mich dann sogar noch bis zur Haustür bringen, was allerdings nicht nötig war.  Am Sonntag früh sind wir wieder in die Stadt gefahren und haben uns auf die Suche nach unsere Busstation gemacht, was in Nairobi gar nicht so einfach ist. Unser Bus (Matatu) fährt von einer Tankstelle ab und wir mussten uns erstmal dorthin durchfragen. Nach drei Stunden waren wir dann wieder in unserer Stadt und haben uns noch ein paar Chapati mit Tee gegönnt. Es war schön, wieder „zu Hause“ zu sein und ich wurde von den Dorfbewohnern freundlich begrüßt. Abends stand dann noch Waschen auf meinem Plan. Daran, dass man alles per Hand waschen muss, gewöhnt man sich recht schnell und man entwickelt dabei so seine Techniken. Kwa Heri!

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